Orgelflügel von Joseph Böhm,
Wien vor 1830

Einer der wenigen erhaltenen Hammerflügel, die über einen Registerzug "Orgel" verfügen. Das überblasende Register Flöte verleiht dem Klang des Flügels eine zauberhafte Anmutung. Mit den anderen Klangveränderungen, Janitscharen, Fagott, Moderator und Dämpferhebung, standen dem Musiker Klangbilder zur Verfügung, die dem Vortrag, zum Beispiel von Variationen oder Tongemälden, neue Dimensionen hinzugefügt haben. Dazu kommt je ein Pedal zur Betätigung der Balganlage sowie zum Spiel des Orgelregisters allein, bzw. mit dem Pianoforte.


In Aufbau und Mechanik ist das Instrument außerordentlich kunstfertig gearbeitet. Joseph Böhm zeigt hier sein handwerkliches Können und seine gestalterische Kraft im Klangraum. Das Instrument ist für die Musikforschung auch deshalb von Bedeutung, weil die Orgelpfeifen einen eindeutigen Stimmton vorgeben. Mehr

Die historische Stimmanleitung zu diesem Instrument in italienischer Sprache lässt vermuten, es dürfte ursprünglich für einen Auftraggeber in den italienischsprachigen Kronländern der k.k. Monarchie angefertigt worden sein. Da jedoch das Instrument heute einer Stimmung auf diesen historisch determinierten Stimmton von 432 Hz statisch nicht mehr standhält, lag eine besondere Aufgabe darin, einen Satz neuer Orgelpfeifen nach den alten Mensuren auf tieferem Stimmton herzustellen, damit das Instrument mit seinen besonderen Klangmöglichkeiten erfahren werden kann.


Musikalische Interpretation wird in hohem Maße vom Klangmittel bestimmt. Klangvariationen, wie sie dieser Flügel zulässt, bergen eine Fülle von Aussagen über Ausdrucksvorstellungen, die anders kaum zu erschließen sind. Dabei ist der handwerkliche Aufbau des Instrumentes ebenso von Bedeutung wie der musikkulturelle Kontext, in dem Musikinstrumente Wirkungen entfaltet haben.

 
 
 

 
 
 

© Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde | info@greifenberger-institut.de