Mechanik der Poesie I – Besaitete Tasteninstrumente des 15. bis 19. Jahrhunderts

aus der Reihe „Instrument & Kontext“; Herausgeber: Helmut Balk

 

Tasteninstrumente sind komplexe Gebilde der Mechanik und Statik. Ihre Kunstfertigkeit überliefert eine Fülle des Wissens um Form und Bedingung. Die in der Regel aus verschiedenen Holzarten gefertigten Instrumente erfüllen vollständig die Klangvorstellungen ihrer Zeit. Das handwerkliche Können ihrer Erbauer erlaubt ein fein abgestimmtes Ganzes, das der Ausdruckssehnsucht ihrer Epoche eine verborgene Dauer verleiht. Wie bei wenigen anderen Instrumenten kann der Musiker in die klangliche Anlage nicht weiter eingreifen. Die Idee des Ausdrucks wird durch den Instrumentenbauer bestimmt, sie wird vom Spieler gleichsam erweckt, so wird die technische Anlage zur vollständigen Überlieferung der Idee des Poetischen.

Es ist also in diesen Instrumenten vieles und wesentliches erhalten. Sie sind Zeugen einer handwerklichen Kultur, die auf das Feinste mit der Komposition und Musikvorstellung ihrer Zeit verbunden ist. Das Verständnis dieser Bedingungen wird zum Schlüssel eines musikkulturellen Wissens, das die Aneignung der musikalischen Idee immer wieder neu erlaubt.

Helmut Balk

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