Gedackt

Die Gedacktstimmen (dt. älter für „gedeckt“) sind an ihrem Ende mit einem Deckel geschlossen. Dadurch klingen sie eine Oktave tiefer als offene Labialstimmen gleicher Länge.

 Das „Verschließen“ einer Orgelpfeife funktioniert in dieser Weise nur bei Labialpfeifen/“Flöten“. Jede klingende Luftsäule benötigt an ihrem Ende eine Öffnung, um mit dem atmospärischen Luftdruck zu kommunizieren, denn jede Luftschwingung innerhalb einer Pfeife besteht aus schnell wechselnden Druckwellen in der dort befindlichen Luft – ohne einen Austausch mit der Außenluft klingt nichts, da eingeblasene Luft (zunächst Überdruck) irgendwo wieder entweichen können muß. Dies passiert bei gedackten Pfeifen am (permanent der Außenluft offenstehenden) Labium – die Druckwelle läuft gleichsam zum Ende der (verschlossenen) Pfeife, von dort zum Labium zurück, wo sie entweichen kann (was wiederum einen Unterdruck erzeugt , und in der Folge das „Pendeln“ zwischen Über- und Unterdruck, das als eigentlicher Ton hörbar wird); sie legt damit den doppelt so langen Weg zurück wie bei einer offenen Pfeife, das Resultat ist ein eine Oktave tieferer Ton.

 Eine acht Fuß (etwa 2,40 m) lange Gedacktpfeife erzeugt so einen Ton von der Höhe (eigentlich besser: Tiefe) einer sechzehnfüßigen (etwa 4,80 m) offenen Pfeife, also anstelle von C das C’. Seitdem dieses Phänomen im Orgelbau angewandt wurde - etwa seit dem 15. Jahrhundert – erlaubte dies den Orgelmachern eine enorme Platzersparnis beim Bau von Pfeifen für die tiefen Klangbereiche. In aller Regel bestehen daher die jeweils tiefsten Register ganz oder teilweise aus gedackten Pfeifen. Auch in Kleinorgeln aller Art bis hin zu Automatenspielwerken werden Gedacktregister weithin verwendet.

 
 
 
 

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