Prinzipal

Das Register Prinzipal (von lat. „vox principalis“ Hauptstimme) ist das wichtigste Register der Orgel. Die Orgelbauer stellen dieses Register nach Möglichkeit in die Fassade der Orgel (daher auch die Benennung „Prästant“ von lat. „praestare“ voran stehen) (Abb. 1). Es wird dann aus Metall mit einem besonders hohen Zinnanteil von über 75 % hergestellt, um der Orgelschauseite den hochgeschätzten matten Silberschein zu verleihen.

Die Prinzipalpfeifen sind zylindrisch und an ihren Enden offen. Die Mensur des Prinzipals erlaubt es, das Register in allen denkbaren Fußlagen zu bauen, von 32’ bis 1’; die Prinzipale bilden auf diese Weise (und ebenso in der historischen Bedeutung) das klangliche Rückgrat der Orgel („Plenum“).
Es hat sich zudem eingebürgert, die Mensuren der übrigen Labialregister im Verhältnis zur Prinzipalmensur zu berechnen und anzugeben. Die Prinzipalmensur selbst ist zwar in einzelnen Ländern etwas unterschiedlich. Als Faustregel gilt ein Verhältnis von etwa 15:1 bis 16:1 zwischen Länge der Pfeife (von der Labialkante ab) und ihrem Durchmesser. Von einem Ton zum nächsthöheren Halbton wird die Pfeife um etwa ein Sechzehntel verkürzt und der Durchmesser in ähnlicher Weise verschmälert.

 Prinzipalpfeifen nehmen in ihrem Klangcharakter eine Mittelstellung ein zwischen relativ obertonreichen Pfeifen mit schwachem Grundton (enger mensuriert – 17:1 bis etwa 24:1 - als Prinzipale) und obertonarmen Pfeifen mit kräftigem Grundton (mit weiterer Mensur – 14:1 bis etwa 10:1) ein. Sie erzeugen deutliche Grundtöne und dazu noch ein relativ reiches Spektrum an Obertönen.

 Auch die Oktavreihen einer Orgel (mit Benennungen wie Octava, Superoctava, Sedecima [eigentlich: Quintadecima] usw.) sind Prinzipalregister, doch stehen sie in der Regel im Inneren der Orgel, ebenso wie Prinzipalregister aus Holz.

 Je nach verfügbarem Platz und Raumakustik bemühen sich die Orgelbauer, den Prospektprinzipal in der größtmöglichen Fußlage zu bauen. Man kann daher im Umkehrschluß aus dem tiefsten vorkommenden Prinzipalregister die ungefähre Größe der Orgel oder des Orgelteilwerkes gut abschätzen. Man spricht daher gelegentlich von einer „zweifüßigen“, „vierfüßigen“, „achtfüßigen“ oder gar „sechzehnfüßigen“ Orgel und bezieht dies auf die Lage des jeweiligen Prospektprinzipals. Eine zweifüßige Orgel wäre beispielsweise eine eventuell sogar noch tragbare Kleinorgel für das Haus, eine vierfüßige Orgel eine größere Haus- oder kleine Kirchenorgel (von den Orgelbauer auch genannt: „Viertelorgel“), eine achtfüßige Orgel („halbe Orgel“) wäre bereits in der Lage, einen größeren Raum zu füllen, eine sechzehnfüßige Orgel stellt ein sehr stattliches Werk dar, das hoch in den Raum aufragt („Ganze Orgel“).

 Besonders in den Niederlanden und vereinzelt in Norddeutschland gab es sogar Versuche, geradezu monumentale Orgeln mit 32’-Pfeifen zu bauen (Abb. 2). Doch in diesem Bereich traf man auf Probleme, die nur mit großer Mühe zu bewältigen waren. Allein die Ausmaße einer 32’-Pfeife für C (klingend C’’) mit über 10 Metern (den Fuß eingerechnet) Länge waren beeindruckend, aber ihr Gewicht brachte Komplikationen sowohl für die Pfeife selbst, die unter ihrem eigenen Gewicht einzuknicken drohte, als auch für die Unterkonstruktion, und alles andere unterhalb, wenn sie umfallen sollte.

Der Windbedarf eines solchen Registers war gigantisch, und die Orgelbauer mussten sich für Windführungen und Laden besondere Lösungen einfallen, wenn nicht beim Hinzuziehen eines solchen Windfressers die übrigen Register plötzlich zu wenig Wind bekommen sollten. Wenn so etwas doch geschah, war die gefürchtete Windstößigkeit die Folge, ein Phänomen, das in ganz schwacher Ausprägung durchaus belebend auf den Orgelklang wirkend konnte, aber im ungünstigen Falle den Ton der Orgelpfeifen in ein höchst unerwünschtes Jammern und Heulen verkehrte. Zudem war zwar der Anblick derartiger Pfeifen ungeheuer beeindruckend, doch der erzeugte Klang – nahe an der unteren Hörgrenze des Menschen und nicht für alle gleichermaßen zu hören – war es gelegentlich ganz und gar nicht, ein nur langsam ansprechendes, dumpfes und zwangsläufig recht leises Brummen war alles, was den gigantischen Pfeifen zu entlocken war; dies führte zu dem Spitznamen „Prahlsachte“ für diese Stimme.

Abb. 1: Sonntagberg 
Abb. 1: Sonntagberg
Abb. 2: Alkmaar 
Abb. 2: Alkmaar
 
 
 
 

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