Cembalo von Christian Vater, 1738,
Befundgeführte Rekonstruktion

Vaterbau

Das Vorbild dieses Cembalos stammt aus dem Jahr 1738, erbaut von Christian Vater in Hannover (Vater war auch ein bedeutender Orgelbauer, einige Beispiele hier und hier). Es befindet sich heute im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Cembali von Vater waren offenbar gesucht, am Hessen-Darmstädter Hof und der dortigen Hofkapelle waren mehrere vorhanden, auch zum Gebrauch des Hofkapellmeisters Christoph Graupner.

Die befundgeführte Rekonstruktion entstand in unserer Werkstatt von 2008 bis 2011, angefertigt von Magdalena Balk während ihrer Ausbildung an unserem Institut. Das Instrument weist einige seltene Besonderheiten auf, beispielsweise extrem dünne Springer, deren Materialstärke von ca. 2,5 mm an Orgelabstrakten erinnert.  Diese sind im Rechen mit äußerst geringem Reibungswiderstand in konischen Lagerschlitzen geführt und waren vermutlich unverbleit; daher sprechen sie sehr sensibel an. Dies stellt dem Spieler eine bei Cembali ungewöhnliche Subtilität des Spielgefühls zur Verfügung, die für die Interpretation  deutscher Cembalomusik des 18. Jahrhunderts interessante Möglichkeiten eröffnet, aber auch eine gewisse Herausforderung des Ungewohnten darstellt. Bei der geringen Stärke der Springer ergeben sich für die Anfertigung, Beachsung und Intonation der Docken auch technisch außergewöhnlich hohe Anforderungen.

Die verwendeten Holzarten reichen von Birke für den Diskantzwickel über massiver Buche für die Kurve zu Fichte für die Baßwand und den übrige Innenaufbau. Die massive gebogene Buchenzarge (8 mm) droht beim Biegen erfahrungsgemäß zu reißen, was während des Arbeitsprozesses durch Ansetzen einer Zwinge verhindert werden kann. Die Aufgabe, diese Rissbildung dauerhaft zu verhindern, übernimmt am fertigen Corpus die Birke am Diskantzwickel. Zugleich wird die Spannung der gebogenen Zarge auf den Diskant übertragen, was zur Klangentfaltung des Diskantbereichs am Instrument beiträgt.

Das Untergestell mit den gedrechselten Säulenbeinen fertigte Markus Thiel, die Fassung und die vergoldeten Ornamente Marlis Dörhöfer und die Bemalung des Innendeckels Stephan Harmanus.

 

Vatermechanik

Mechanikdetails: besonders für Vater ist die Drehpunktführung der Tasten über Lagerung auf Schnüren (je eine für die Ober- und Untertasten), sowie die (im Bild oben) schmalen Springer.

Vergold

Erstellung der Polimentvergoldung, Rekonstruktion nach Spuren am Original.

 
 
 
Christoph Graupner, Gigue D-DA Mus.ms. 414 (ca. 1739) 
Christoph Graupner, Gigue D-DA Mus.ms. 414 (ca. 1739)

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