Ausbildungs-Projekt: Rekonstruktion eines Querspinetts von Johann Heinrich Silbermann, 1767

Tonumfang: 5 Oktaven (F1-f3)
Stimmtonhöhe der Nachbauten: a1 = 415 Hz

Während der Ausbildung zur Klavier- und Cembalobauerin lernten wir das traditionelle Handwerk anhand unseres Projekts, dem selbstständigen Nachbau des Querspinetts nach Johann Heinrich Silbermann (1767).

Einer der "Ausbildungs-Nachbauten" eines Querspinetts nach Johann Heinrich Silbermann, 1767; Anke Hondelmann 
Einer der "Ausbildungs-Nachbauten" eines Querspinetts nach Johann Heinrich Silbermann, 1767; Anke Hondelmann

Nachbau Anke Hondelmann:

Joseph Haydn (1732-1809)
Sonata Es Dur Hob.XVI:45 (1766) 

Varvara Manukyan (Interpretin)
Thomas Schweiger (Musikproduktion)

Stimmtonhöhe: a1 = 415 Hz
Stimmung: Neidhardt - "Für die kleine Stadt"

Aus dem 1. Satz Moderato 

Moderato, S. 1 
Moderato, S. 1
Der zweite "Ausbildungs-Nachbau" eines Querspinetts nach Johann Heinrich Silbermann, 1767; Eva Szabó 
Der zweite "Ausbildungs-Nachbau" eines Querspinetts nach Johann Heinrich Silbermann, 1767; Eva Szabó

Nachbau Eva Szabó:

Joseph Haydn (1732-1809)
Sonata Es Dur Hob.XVI:45 (1766) 

Varvara Manukyan (Interpretin)
Thomas Schweiger (Musikproduktion)

Stimmtonhöhe: a1 = 415 Hz
Stimmung: Neidhardt - "Für die kleine Stadt"

Aus dem 1. Satz Moderato 

Moderato S. 2 
Moderato S. 2
 
 
 

Arbeitsdetails zum Nachbau des Originalinstrumentes:

Eine Ehrung die wir im Rahmen der Ausbildung erhalten haben 
Eine Ehrung die wir im Rahmen der Ausbildung erhalten haben
 
Die jungen Instrumentenbauerinnen bei "ihrem Originalinstrument" im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. [Johann Heinrich Silbermann, 1767, MINe90] Anke Hondelmann und Éva Szabó 
Die jungen Instrumentenbauerinnen bei "ihrem Originalinstrument" im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. [Johann Heinrich Silbermann, 1767, MINe90]
Anke Hondelmann und Éva Szabó
 
 

Historischer Kontext

"Musikalischer Almanach für Deutschland auf das Jahr 1782", Nikolaus Forkel.
Aus dem Kapitel: "Verzeichnis der besten Instrumentenmacher in Deutschland"

"Musikalischer Almanach für Deutschland auf das Jahr 1782", Nikolaus Forkel. Aus dem Kapitel: "Verzeichnis der besten Instrumentenmacher in Deutschland"

Silbermann (Johann Heinrich) Orgel- und Instrumentmacher zu Straßburg; geb. das. am 27 Sept. 1727. Seine Instrumente sind der musikalischen Welt allzu bekannt, als daß es nöthig wäre, hier erst etwas zum Lobe derselben zu sagen. Sowohl seine Flügel als Pianoforte, wie auch andere zum Theil selbst erfundene Manual- und Pedal-Clavierinstrumente, zeichnen sich durch Sauberkeit der Arbeit und Schönheit des Tons aus. Er ist auch ausser seinem Fache ein Mann von schätzbaren Kenntnissen, wie seine Beschreibung der Stadt Straßburg zeigt. Seine Pianoforte verkauft er gewöhnlich das Stück für 300 Thaler.

Querspinette sind eine Bauform des Cembalos, die sich gerade in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts einer bemerkenswerten Beliebtheit erfreut hat. Namhafte deutsche Klavierbauer wie Johann Heinrich Silbermann und einige darauf spezialisierte Werkstätten in England wie die von Joseph Mahoon und die der Familie Hitchcock (John Vater, John Sohn und Thomas) stellten solche Instrumente in großer Zahl her.

 

Diese heute ungewöhnliche Form bietet eine Reihe von besonderen Eigenschaften. So wird ein Kleincembalo in gleichsam verzerrter Flügelform erzeugt, das durchaus ein vergleichbares Klangpotential bietet. Ein damals wichtiger weiterer Gesichtspunkt ist die besondere praktische Eignung für Kammermusik. Durch die abgeschrägte Sitzposition stand ein Musizierpartner seitlich zugewandt und in klanglich besonders günstiger Position, um miteinander musizieren zu können.

Joseph Johann Kauffmann, Familienbildnis Peter Burckhardt-Forcart, dat. 1775 (Historisches Museum Basel) 
Joseph Johann Kauffmann, Familienbildnis Peter Burckhardt-Forcart, dat. 1775 (Historisches Museum Basel)
Detail 
Detail
 

Ein bürgerlich-patrizischer Wohnraum des späten 18. Jahrhunderts ist auf diesem Familienbildnis des Malers Joseph Johann Kauffmann von 1775 aus Basel abgebildet. Besonders bemerkenswert ist hier die Situation am rechten Bildrand: Musik ist eine Aktivität der heranwachsenden Kinder. Die Tochter spielt Klavier (hier ein typisches Querspinett der Zeit), der Sohn stimmt seine Violine.
Die Szene ist eine Metapher für das „Zusammenstimmen“ mit zukünftigen Ehepartnern, die Musikausübung eine der gesellschaftlich gestatteten Gelegenheiten, bei der sich zukünftige Ehepartner „besserer Stände“ kennenlernen konnten, und auf die die Kinder durch Unterricht vorbereitet werden sollten.

Die typische Kammermusikgattung für diese Epoche und dieses kulturelle Umfeld ist die der Klaviersonate mit Begleitung eines Melodieinstruments, meistens einer Violine oder Querflöte.

Titel des Erstdrucks von W. A. Mozarts opus 1, die Sonate für Cembalo mit Begleitung einer Violine KV 6 
Titel des Erstdrucks von W. A. Mozarts opus 1, die Sonate für Cembalo mit Begleitung einer Violine KV 6
Querspinett mit Violinbegleitung in unserer Werkstatt
Querspinett mit Violinbegleitung in unserer Werkstatt
 
 
 
 

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