hammerflügel
joseph böhm, wien ca. 1821 oder folgende Jahre

Tonumfang:
6 Oktaven + Quart, 78 Tasten (C1-f4)

Pedale (v.l.n.r.): Orgel, Pianoforte aus, Fagott, Moderator, Dämpferhebung, Janitscharen (mit "Trommel", 3 Glöckchen), Balg

Signatur:
„JOS: // BOEHM // IN WIEN“ (Perlmutteinlage, Zierschrift)  am Resonanzboden die Signatur „Joseph Boehm in Wien Clavier No 805“.

Besaitung:
Messing: C1-F
Eisen: Fis-f4
Orgelpfeifen von f0 bis f4

Mechanik:
Wiener Mechanik

Besonderheiten:
Anweisungen für den Ausbau der Mechanik auf dem Unterboden aufgeklebt [italienisch, handschriftlich]

Vorderansicht 
Vorderansicht
Signatur 
Signatur
 

Derzeit der einzige erhaltenen Hammerflügel mit einem eingebauten Orgelregister aus dieser Epoche. Joseph Boehm hatte um 1821 diese Konstruktion öffentlich präsentiert.

Neben diesem Orgelregister "Querflöte/Wienerflöte" mit dem Ambitus f0-f4 besitzt dieser Flügel außerdem folgende Veränderungen: Orgel an, Pianoforte aus, Fagott, Moderator, Dämpferhebung, Janitscharen  ("Trommel"=Anschlag quer über die tiefsten Saiten plus Resonanzboden, 3 Glöckchen), Balgtritt.




Joseph Böhm (1786-nach 1841) erhielt seine Ausbildung zum Klavierbauer ab 1811, zwei Jahre später eröffnete er eine eigene Werkstatt. Er erhielt mehrere 5-Jahres-Privilegien / Patente, u.a. 1821 für einen Notenständer mit einer vom Fuß zu bedienenden Umblättervorrichtung, und, auch 1821, für ein Pianoforte mit Orgelregister.

Da diese Korpusform mit abgerundeten Ecken um 1830 zugunsten einer vergleichsweise deutlich eckigen Form aus der Mode kommt, ist eine Entstehung in den 1820er Jahren wahrscheinlich.


weitere informationen

Literatur:

Laurence Libin:
Keynotes: Two centuries of piano design.
In: Clavier 26/6 (1987), S.11-15.
Ders. : Keyboard Instruments (Katalog des Metropolitan Museum of Art).(1989), S.39.

Martha Nowak Clinkscale:
Makers of the Piano 1700-1802. Oxford (1993), S.27f..:

Zwei Instrumente werden hier aufgeführt, beide ohne Orgeleinrichtung. Sie befinden sich heute im Metropolitain Museum of Arts und im Salzburger Museum Carolino Augusteum.

Es gibt nach Clinkscale nur noch zwei weitere Orgel-Hammerflügel anderer Erbauer:

C.G.Friederici (Gera), ehemals Sammlung Heyer, Foto S.203, heute Universität Leipzig, Musikinstrumenten-Museum


J.A.Stein, heute in Schweden, Foto bei Franz Josef Hirt, Meisterwerke des Klavierbaus, Zürich 1981

Ein weiteres Instrument von J. S. Kühlewein besitzt Glasflaschen als Pfeifen (?), zwei weitere Instrumente sind eher unklar.

joseph böhm

 
 
 
Hammerflügel Joseph Böhm Wien 1825 
Hammerflügel Joseph Böhm Wien 1825

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