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Institut

Ansichten von Arbeitsräumen des Instituts und der Werkstatt für historische Tasteninstrumente. Messraum und Bankraum.

Das Greifenberger Institut für Musikinstrumentenkunde ist eine gemeinnützige GmbH. Das Institut widmet sich Forschungsaufgaben in der Musikinstrumentenkunde und der Dokumentation historischer Musikinstrumente.

Die vom Institut angewandten wissenschaftlichen Methoden entsprechen dem heute üblichen Standart bei der Denkmalerfassung. Für die speziellen Anforderungen der Kulturdenkmalpflege bei historischen Musikinstrumenten werden vom Institut Methoden entsprechend angepasst oder mit weiteren Forschungseinrichtungen entwickelt. Zum Beispiel wurden vom Greifenberger Institut erstmalig Messungen mit einem Koordinaten-Messarm für die Anwendung an historischen Orgeln erschlossen und erfolgreich eingesetzt.

In der handwerklich- technischen Struktur eines komplexen Musikinstruments begegnet dem heutigen Betrachter die Idee vom Wohlklang einer Epoche. Bei Instrumenten wie der Orgel, dem Cembalo und dem Hammerflügel wird ein großer Teil der Klanggestaltung vom Musiker an den Instrumentenbauer abgegeben. Der artifiziell ausgebildete Handwerker ist bestrebt, mit seiner Kunst die Klangvorstellung seiner Zeit optimal umzusetzen. Grundsätzlich gehorcht aber die Kunst des Musikinstrumentenbaus substanziellen Gesetzen, die unverändert bleiben. Bis zum Beginn der Industrialisierung bleiben auch die Werkzeuge zur Herstellung relativ unverändert. Veränderungen im Klangergebnis sind also von der Kunstfertigkeit des Handwerkers und der Akzeptanz des Ergebnisses in der Epoche abhängig. Musikalische Komposition und Vorstellung vom Wohlklang gehen in der jeweiligen Epoche naturgemäß eine innige Verbindung ein. Für die Aufführung einer Komposition ist die Kenntnis der beabsichtigten Klangwirkung ein wesentliches Werkzeug zur Interpretation.

Das Greifenberger Institut trägt dazu bei, die Ideengeschichte der Musikinstrumente und ihre Klangwirkung als kulturelle Überlieferung besser zu verstehen.

CAD-Zeichnungen und archivalische Forschungen erlauben eine eingehende Beurteilung der überlieferten Substanz und deren Einordnung in einen zeitlichen Kontext. Bei entsprechender Datendichte kann eine virtuelle Rekonstruktion von Teilen oder der gesamten technischen Anlage erfolgen. Analyse und Rekonstruktion können mit diesen Verfahren - ohne in das Instrument eingreifen zu müssen - vorgenommen werden. Zusätzlich kann die Rekonstruktion des Instruments oder wesentlicher Teile mit den Methoden der experimentellen Archäologie den Funktions- und Herstellungszusammenhang erschließen.
Für den Schutz wertvollen Kulturgutes und für die Denkmalpflege ergeben sich hieraus wesentliche Vorteile. Zum einen ist die Planung eventuell notwendiger Maßnahmen sowie deren Durchführung beständig transparent. Dies bedeutet, dass die konservatorischen oder restaurativen Maßnahmen auf einer objektiven Datenlage erarbeitet werden können, bevor in das überlieferte Kulturgut eingegriffen wird. Ein auf dem gleichen Wissensstand urteilendes Gremium kann Maßnahmen beschließen und die Durchführung kontrollieren und betreuen. Zum anderen wird das Musikinstrument auch bei der Entscheidung für rein konservatorische Maßnahmen in seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung erkennbar. Nachbauten auf der Grundlage der erhobenen Daten können mit den gleichen Messmethoden beurteilt werden, und erreichen eine wissenschaftlich und aufführungspraktisch verwertbare Qualität.

Mit den hier beschriebenen Methoden wird der lebendige Umgang mit wertvollem Kulturgut möglich, ohne den nachfolgenden Generationen Information und Erkenntnis zu entziehen.
Man kann an dieser Stelle mit dem Goethe Wort auch sagen: "Was Du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen". Moderne digitale Dokumentationen machen Verborgenes sichtbar und schaffen die Voraussetzung, den künstlerischen Impuls, den handwerklich schöpferischen Prozess am Musikinstrument zu verstehen, bevor mit dem eigenen Verständnis in das überlieferte Gefüge eingegriffen wird. Gerade hier lehrt uns die Vergangenheit, daß zu oft mit dem eigenen künstlerischen Impuls über das Überlieferte hinweggegangen wurde ohne das Erbe zu verstehen oder verständlich zu machen.



Autor: Helmut Balk

 
 

 
 
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